US-Klimapolitik 2026: Was Trump für Carbon-Messung in der Werbung bedeutet (und was nicht)

US-Klimapolitik 2026: Was Trump für Carbon-Messung in der Werbung bedeutet (und was nicht)
Regulierung schwankt. Die Physik des Klimas nicht. Bei der Carbon-Messung von Werbekampagnen zählt weniger, was in Washington passiert, als was in Sacramento, Albany — und Brüssel — geschieht.
Der föderale Rückzug: Was sich seit Januar 2025 geändert hat
Die Rückkehr der Trump-Regierung hat eine scharfe Kehrtwende in der US-amerikanischen Klimapolitik ausgelöst. Am 27. März 2025 stellte die SEC (Securities and Exchange Commission) offiziell die Verteidigung ihrer eigenen Klimaoffenlegungsregeln ein — jener Climate Disclosure Rules, die erst ein Jahr zuvor, im März 2024, unter der Biden-Regierung verabschiedet worden waren.
Mark Uyeda, am 21. Januar 2025 zum geschäftsführenden SEC-Vorsitzenden ernannt, hatte als Kommissar gegen diese Regeln gestimmt und sie als „kostspielig und unnötig intrusiv" bezeichnet. Paul Atkins, der neue, vom Senat bestätigte Vorsitzende, hatte bereits 2022 in einem gemeinsamen Artikel im Wall Street Journal gefordert, die SEC solle diese Offenlegungspflichten „zurückziehen und überdenken".
Gleichzeitig kündigte die Regierung die Rücknahme der Department of Labor-Regel an, die Pensionsfonds erlaubt hatte, ESG-Faktoren in Investitionsentscheidungen einzubeziehen — eine Regel, die Biden mit seinem allerersten Präsidentenveto verteidigt hatte.
Das föderale Signal ist eindeutig: Unter Trump 2.0 keine klimabezogenen Auflagen auf nationaler Ebene.
Anti-ESG-Gesetze, die 2025 verabschiedet wurden:
- Texas SB 2337 (Juni 2025) — Schränkt die Aktionärsbeteiligung zu Klimathemen für im Staat ansässige Unternehmen ein
- 11 Anti-ESG-Gesetze in 32 Bundesstaaten verabschiedet (Pleiades Strategy Tracker)
- Verbote für öffentliche Pensionsfonds, ESG-Faktoren zu berücksichtigen
- „Anti-Boykott"-Gesetze gegen Unternehmen, die fossile Brennstoffsektoren ausschließen
Der California Effect: Wenn ein Bundesstaat den nationalen Standard setzt
Die Geschichte der US-Umweltregulierung lehrt ein wiederkehrendes Muster. Wenn der Bund zurückweicht, geht Californien vor — und der Rest folgt. Das war bei Kraftfahrzeugemissionen so. Dasselbe geschieht nun bei der Klimaoffenlegung von Unternehmen.
Die beiden californischen Gesetze, die im Oktober 2023 verabschiedet wurden, bleiben das Herzstück dieser Bewegung:
SB 253 (Climate Corporate Data Accountability Act) verpflichtet Unternehmen mit einem Umsatz von über einer Milliarde Dollar, die in Californien tätig sind, jährlich ihre Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen zu melden. Die erste Meldefrist für Scope 1 und 2 ist auf den 10. August 2026 festgelegt. Dieser Zeitplan schreitet trotz rechtlicher Anfechtungen voran.
SB 261 (Climate-Related Financial Risk Act) verpflichtet Unternehmen mit über 500 Millionen Dollar Umsatz, alle zwei Jahre einen Bericht über klimabezogene finanzielle Risiken zu veröffentlichen. Dieses Gesetz ist seit dem 18. November 2025 durch eine einstweilige Verfügung des Ninth Circuit vorübergehend ausgesetzt, aber das CARB (California Air Resources Board) hat ein freiwilliges Einreichungsportal geöffnet, bei dem bereits rund 100 Unternehmen Berichte eingereicht haben.
Am 9. Januar 2026 hörte der Ninth Circuit mündliche Argumente im Fall Chamber of Commerce v. Sanchez. Das Gericht hat noch kein Urteil gefällt, aber die Analyse der Richterfragen offenbart eine wichtige Unterscheidung: SB 253 (sachliche Emissionsdaten) könnte leichter überleben als SB 261 (Klimarisikonarrativ), da die Richter Klimarisikobeschreibungen als potenziell „politisch kontroverser" betrachten als einfaches Datenreporting.
Der entscheidende Punkt: SB 253 bleibt vollständig in Kraft. Für die Tausenden von Unternehmen, die in Californien tätig sind — einschließlich nahezu aller Fortune-500-Werbetreibenden und Mediaagenturen — ist Carbon-Messung keine Option, sondern eine bereits umgesetzte Verpflichtung.
Unseren vollständigen Compliance-Leitfaden für das californische Scope-3-Gesetz finden Sie hier.
New York betritt die Bühne: Das stärkste Signal des Jahres 2026
Dies ist möglicherweise die bedeutendste Entwicklung der jüngsten Wochen. Am 10. Februar 2026 verabschiedete der Senat des Bundesstaates New York den SB 9072A — den Climate Corporate Data Accountability Act — mit 40 zu 22 Stimmen, strikt entlang der Parteilinien.
Dieser direkt am californischen SB 253 orientierte Gesetzentwurf verpflichtet Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar, die in New York tätig sind, öffentlich zu melden:
- Scope-1- und Scope-2-Emissionen ab 2028
- Scope-3-Emissionen ab 2029
Sanktionen sind bis zu 500.000 Dollar pro Jahr der Nichteinhaltung vorgesehen, mit einer Schutzklausel für Scope-3-Meldungen in gutem Glauben bis 2031.
Der Gesetzentwurf muss nun von der New Yorker Assembly geprüft werden, wo ein Begleitentwurf eingebracht wurde. Das Ergebnis ist nicht garantiert — frühere Versionen scheiterten 2022, 2024 und 2025 auf Ausschussebene. Doch das Passieren des Senats markiert einen beispiellosen Meilenstein.
Parallel dazu zielt SB 3697A (eingebracht von Senator Sanders im Januar 2025) auf klimabezogene finanzielle Risiken für Unternehmen mit über 500 Millionen Dollar Umsatz, nach dem Vorbild des californischen SB 261, mit einer ersten Meldefrist zum 1. Januar 2028.
New York steht nicht allein. New Jersey und Illinois haben 2026 ebenfalls ähnliche Gesetzentwürfe eingebracht und damit eine bundesstaatenübergreifende Bewegung geschaffen.
| Kriterium | Californien SB 253 | New York SB 9072A |
|---|---|---|
| Umsatzschwelle | 1 Mrd. $+ | 1 Mrd. $+ |
| Scope 1 & 2 | Ab August 2026 | Ab 2028 |
| Scope 3 | Ab 2027 | Ab 2029 |
| Maximale Sanktionen | 500.000 $ / Jahr | 500.000 $ / Jahr |
| Status | ✅ In Kraft | ⏳ Senat beschlossen, Assembly ausstehend |
Der Domino-Effekt der Bundesstaaten: Ein Flickenteppich wird zum Standard
Betrachten wir, was gerade passiert. Californien (fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt), New York (drittgrößtes BIP der USA), möglicherweise New Jersey und Illinois — diese Bundesstaaten repräsentieren gemeinsam einen erheblichen Anteil der US-amerikanischen Wirtschaftsleistung. Für jedes national oder international tätige Unternehmen wird die Einhaltung des strengsten Standards zum einzig rationalen Ansatz.
Genau das hat die Geschichte der Kraftfahrzeugemissionsnormen gezeigt. Als Californien strengere Standards als der Bund einführte, stellten die Hersteller nicht zwei Fahrzeugreihen her. Sie übernahmen den californischen Standard für ihre gesamte Produktion. Derselbe Mechanismus ist nun bei der Unternehmens-Klimaoffenlegung in Gang.
Und es gibt einen weiteren Faktor, den rein amerikanische Analysen oft übersehen: den europäischen CSRD-Effekt.
Die transatlantische Verpflichtung: Die CSRD verhandelt nicht mit Washington
Für multinationale Unternehmen — und das gilt für nahezu alle großen Werbetreibenden und Agenturnetzwerke wie Publicis, WPP, Omnicom, Dentsu und Havas, aber auch für deutsche Konzerne wie Volkswagen, SAP oder Deutsche Telekom mit US-Operationen — ist die Frage der föderalen US-Regulierung nahezu nebensächlich.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU verpflichtet Unternehmen, die auf dem europäischen Markt über bestimmten Schwellenwerten tätig sind, zu detaillierter Klimaoffenlegung, einschließlich Scope-3-Emissionen nach dem Treibhausgasprotokoll. Auch wenn die EU 2025 ein „Omnibus"-Paket zur Vereinfachung vorgeschlagen hat — das Verpflichtungen für Unternehmen, die 2026-2027 berichten sollten, um zwei Jahre verschiebt und die Schwellenwerte anhebt — bleibt die grundlegende Richtung unverändert.
Die CSRD gilt unabhängig von der Position Washingtons:
Für jede Unternehmensgruppe mit europäischen Operationen — ob Kering, EDF oder ein US-Konzern, der in Europa tätig ist — gilt die CSRD. Klimaberichterstattung ist keine Option abhängig vom US-Politikklima — sie ist eine Verpflichtung, die an der Realität des internationalen Handels hängt.
Mehr zu den Omnibus-Änderungen und deren Bedeutung für die Werbe-Compliance in unserer Analyse der Omnibus-CSRD-Änderungen.
Eine umfassende Übersicht der CSRD-Pflichten finden Sie in unserer CSRD-Compliance-Roadmap für Werbung.
Investoren halten Kurs
Hinter dem politischen Lärm erzählen die Signale der Finanzmärkte eine andere Geschichte. Trotz der Anti-ESG-Rhetorik haben institutionelle Investoren ihre Anforderungen an Klimadaten nicht aufgegeben. Große Staatsfonds, europäische Investoren und Vermögensverwalter, die gemeinsam Billionen von Dollar verwalten, fordern weiterhin Transparenz bei Klimarisiken.
Die Analyse von Ortec Finance schätzt, dass die Renditen US-amerikanischer und kanadischer Pensionsfonds bis 2040 um 50 % sinken könnten, wenn sich die schlimmsten Erwärmungsszenarien ohne Klimapolitikänderung materialisieren. Angesichts eines Risikos dieser Größenordnung kann sich kein seriöser Treuhänder leisten, Carbon in seinen Analysen zu ignorieren — unabhängig von der politischen Farbe des Weißen Hauses.
US-Regulierungszeitplan
März 2025 — SEC gibt Klimaoffenlegungsregeln der Biden-Ära auf
- Geschäftsführender Vorsitzender Uyeda stimmt für Einstellung der Verteidigung föderaler Klimamandate
- Regulatorisches Vakuum auf föderaler Ebene öffnet sich
Juni 2025 — Texas SB 2337 unterzeichnet; 106 Anti-ESG-Entwürfe in 32 Bundesstaaten
- Gouverneur Abbott unterzeichnet Gesetz zur Einschränkung des klimabezogenen Aktionärsengagements
- Koordinierte Anti-ESG-Gesetzgebungsoffensive auf Bundesstaatenebene beschleunigt sich
10. August 2026 — Erste SB-253-Frist Californien (Scope 1 & 2)
- Fortune-500-Unternehmen mit California-Operationen müssen berichten
- Digitale Werbung gilt als Scope-3-Emissionsquelle für Berichtspflichtige
2028 — New York SB 9072A tritt in Kraft (falls Assembly zustimmt)
- Scope-1- und Scope-2-Berichtspflicht für Unternehmen mit 1 Mrd. $+ Umsatz in NY
- Scope-3-Anforderungen folgen 2029
Laufend — CSRD gilt unabhängig vom US-Kontext
- Europäische Verpflichtungen bestehen unabhängig von der US-Position fort
- Multinationale Unternehmen stehen vor doppelter Compliance: US-Bundesstaatsrecht + CSRD
Was das für die digitale Werbung bedeutet
Für unsere Branche liegen die Konsequenzen auf der Hand:
Carbon-Messung von Kampagnen ist kein politisches „Nice-to-have" — sie ist eine operative Notwendigkeit. Werbetreibende, die SB 253 in Californien unterliegen (und bald möglicherweise in New York), müssen den CO₂-Fußabdruck ihrer Operationen quantifizieren können, einschließlich ihrer Mediaeinkäufe. Digitale Werbung mit ihren komplexen programmatischen Lieferketten stellt für jeden großen Werbetreibenden eine erhebliche Scope-3-Emissionsquelle dar.
Das regulatorische Flickwerk macht Standardisierung dringender, nicht weniger dringend. Wenn jeder Bundesstaat eigene Berichtspflichten einführen kann, ist die einzig tragfähige Strategie die Implementierung eines robusten, granularen Messsystems, das sich an jeden Regulierungsrahmen anpassen kann.
Der Anti-ESG-Backlash ändert nichts an der Physik. Die Atmosphäre macht keine Politik. CO₂-Emissionen eines Rechenzentrums, einer Ad Exchange oder einer Videokampagne sind dieselben, unabhängig davon, ob der Gouverneur Demokrat oder Republikaner ist. Die Frage ist nicht ob gemessen wird — sondern wann und wie.
Praktische Strategien zur Reduzierung Ihrer Werbeemissionen finden Sie in unserem Artikel über 5 bewährte Methoden zur CO₂-Reduktion in der programmatischen Werbung.
Der Carbon-Intelligence-Ansatz: Leistung und Compliance
Genau diese Realität hat die Entwicklung von Carbon Intelligence geleitet. Unsere Plattform wurde von Anfang an auf einem einfachen Grundsatz aufgebaut: Carbon-Messung muss der Geschäftsleistung ebenso dienen wie der regulatorischen Compliance.
Basierend auf den Methoden GMSF v1.2 und Treibhausgasprotokoll — und warum GMSF-basierte Messung genauer ist als ausgabenbasierte Ansätze — ermöglicht Carbon Intelligence Werbetreibenden und Agenturen:
- Messen des realen CO₂-Fußabdrucks jeder Kampagne, jeden Kanals, jeder Impression
- Optimieren der Mediaeinkäufe zur Emissionsreduzierung ohne Leistungseinbußen
- Berichten gemäß den anwendbaren Regulierungsrahmen — ob SB 253, CSRD oder zukünftigen Standards
Der Ansatz ist bewusst politikagnostisch. Ein Werkzeug, das nur unter einem bestimmten Regulierungsregime funktioniert, ist ein fragiles Werkzeug. Ein Werkzeug, das mit Sorgfalt misst und mit Intelligenz optimiert, bleibt unabhängig vom Kontext relevant.
Das Wichtigste auf einen Blick
5 Fakten, die zählen:
- Der föderale Rückzug ist real, aber begrenzt. Die SEC hat ihre Regeln fallengelassen, aber das tilgt weder staatliche Verpflichtungen noch europäische Anforderungen.
- Der California Effect ist in Gang — und beschleunigt sich. SB 253 bleibt in Kraft, mit erstem Reporting ab August 2026. New Yorks Senatsbeschluss zu SB 9072A verstärkt die Bewegung.
- Der Domino-Effekt der Bundesstaaten schafft einen De-facto-Standard. Californien, New York, New Jersey, Illinois — gemeinsam repräsentieren diese Staaten einen dominanten Anteil der US-Wirtschaft.
- Die europäische CSRD macht die föderale US-Debatte für multinationale Unternehmen zur Nebensache. Jedes Unternehmen, das in Europa tätig ist, muss berichten — Punkt.
- Der Markt gibt das Tempo vor, nicht die Politik. Investoren, Kunden, Geschäftspartner — der wirtschaftliche Druck zur Klimatransparenz hängt nicht von der regierenden Partei ab.
Messen Sie Ihren Werbe-CO₂-Fußabdruck
Bei Carbon Intelligence helfen wir Werbetreibenden und Agenturen, den CO₂-Fußabdruck ihrer digitalen Werbekampagnen mit aktivitätsbasierter Präzision zu messen, zu verstehen und zu reduzieren — konform mit GMSF und Treibhausgasprotokoll.
Die Physik verhandelt nicht. Messen Sie für den Geschäftserfolg, nicht für die Politik.
Quellen und Referenzen
- SEC, „SEC Staff Statement on Climate-Related Disclosures", März 2025 — https://www.sec.gov/
- California Air Resources Board (CARB), SB 253 Implementierungsportal — https://ww2.arb.ca.gov/
- Pleiades Strategy, „Anti-ESG Legislative Tracker 2025" — https://pleiadestrategy.com/
- New York State Senate, SB 9072A Text — https://www.nysenate.gov/legislation/bills/2025/S9072
- Ortec Finance, „Climate Risk & Pension Fund Returns" — https://ortec-finance.com/
- Texas Legislature, SB 2337 (unterzeichnet Juni 2025) — https://capitol.texas.gov/
- Gibson Dunn, „SEC Climate Disclosure Rules — 2025 Update" — https://www.gibsondunn.com/
- Ninth Circuit, Chamber of Commerce v. Sanchez (Argumente 9. Jan. 2026) — https://www.ca9.uscourts.gov/
Dieser Artikel gibt den Stand der Regulierung zum 25. Februar 2026 wieder. Die genannten gesetzgeberischen und gerichtlichen Entwicklungen können sich schnell ändern.
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