Nachhaltiger Mediaeinkauf: Wie RFPs die Werbung 2026 neu definieren

January 10, 2026 • Carbon Intelligence Team • 3 min read
Nachhaltiger Mediaeinkauf: Wie RFPs die Werbung 2026 neu definieren

RFPs enthalten jetzt systematisch Anforderungen zur CO₂-Reduktion. Nachhaltige Medien sind vom Nice-to-have zum Einkaufs-Must-have geworden. Hier erfahren Sie, was Kunden verlangen, wie Anbieter reagieren und warum CO₂-Kompetenz zur Voraussetzung wird.

Der Wandel in 2026

Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit ein optionaler Abschnitt in RFPs war, sind vorbei. Unsere Analyse von über 200 Ausschreibungen europäischer Marken zeigt: 73% enthalten jetzt verbindliche CO₂-Anforderungen. Das ist ein Anstieg von 28% gegenüber 2024.

Was treibt diesen Wandel?

  • CSRD-Berichtspflichten (erste Berichte 2026 fällig)

  • Interne ESG-Ziele mit konkreten Reduktionspfaden

  • Investorendruck auf nachweisbare Nachhaltigkeitsfortschritte

  • Verbrauchernachfrage nach verantwortungsvollen Marken

Was Kunden konkret verlangen

Die häufigsten Anforderungen in aktuellen RFPs:

1. CO₂-Messung und Reporting

  • Monatliche oder quartalsweise CO₂-Berichte

  • Aufschlüsselung nach Kanal, Format und Markt

  • Vergleich mit Branchenbenchmarks

  • GMSF-konforme Methodik (nicht mehr ausgabenbasiert)

2. Reduktionsziele

  • Mindestens 30% Reduktion gegenüber Baseline im ersten Jahr

  • Jährliche Verbesserungsziele (typisch: 10-15%)

  • Konkreter Aktionsplan mit Meilensteinen

3. Supply-Chain-Transparenz

  • Offenlegung der SSP-/DSP-Partner und deren CO₂-Profile

  • MFA-Site-Ausschlüsse als Standardanforderung

  • Supply Path Optimization als Pflichtkriterium

4. Technische Fähigkeiten

  • Echtzeit-CO₂-Tracking im Reporting-Dashboard

  • Integration von CO₂-Daten in Bidding-Entscheidungen

  • Automatisierte Kreativ-Optimierung für geringere Emissionen

Wie Anbieter reagieren

Die erfolgreichsten Antworten auf Green-Media-RFPs teilen gemeinsame Merkmale:

Konkrete Zahlen statt Versprechen:

  • Case Studies mit nachgewiesenen Reduktionen

  • Baseline-Messungen vor und nach Optimierung

  • Branchenvergleiche mit verifizierbaren Quellen

Methodische Transparenz:

  • GMSF v1.2 als Berechnungsgrundlage

  • Klare Abgrenzung Scope 1/2/3

  • Dokumentierte Datenquellen (Electricitymaps, ADEME, EEA)

Technologie-Nachweis:

  • Live-Demo des CO₂-Tracking-Dashboards

  • Integration in bestehende Reporting-Workflows

  • API-Dokumentation für kundenspezifische Integrationen

Die neue Bewertungsmatrix

Traditionelle RFP-Kriterien werden ergänzt durch CO₂-Faktoren:

KriteriumTraditionell2026 Preis40%30% Qualität/Service35%30% Innovation15%15% Nachhaltigkeit10%25%

Der Nachhaltigkeitsanteil hat sich mehr als verdoppelt. Bei einigen Marken (besonders FMCG und Luxury) liegt er bereits bei 30-35%.

Was das für Agenturen bedeutet

Agenturen ohne CO₂-Kompetenz verlieren zunehmend Pitches. Die Anforderungen:

Mindestanforderungen (um überhaupt eingeladen zu werden):

  • Nachweisbare CO₂-Messfähigkeit

  • Mindestens eine GMSF-konforme Case Study

  • Eigene Nachhaltigkeitsstrategie mit Zielen

Differenzierungsmerkmale (um zu gewinnen):

  • Proprietäre oder fortgeschrittene CO₂-Optimierungstools

  • Echtzeit-Bidding-Integration

  • Nachgewiesene Reduktionen von mehr als 40%

  • Branchenspezifische Benchmarks

Praxisbeispiel: Eine erfolgreiche RFP-Antwort

Ein führender Getränkehersteller schrieb seinen Mediaeinkauf 2025 neu aus. Die Gewinner-Agentur überzeugte mit:

  • Baseline-Audit: Vollständige Analyse des aktuellen CO₂-Footprints mit GMSF v1.2

  • 90-Tage-Plan: Quick Wins (Kreativ-Kompression, MFA-Blocking) mit garantierten 25% Reduktion

  • 12-Monats-Roadmap: Schrittweise Implementation von CO₂-bewusstem Bidding

  • Dashboard-Demo: Live-Präsentation des Echtzeit-Trackings

  • Garantie: 40% Reduktion oder anteilige Gebührenrückerstattung

Ergebnis: Der Pitch wurde gewonnen gegen drei etablierte Wettbewerber.

Checkliste für RFP-Vorbereitung

Sofort umsetzen:

  • GMSF-konforme Messung implementieren

  • Eigene Kampagnen-Baseline erstellen

  • Mindestens eine Case Study dokumentieren

Innerhalb von 90 Tagen:

  • CO₂-Optimierungstools evaluieren und integrieren

  • Supply-Chain-Audit durchführen

  • Team-Schulung zu GMSF und CSRD

Langfristig:

  • CO₂-bewusstes Bidding als Standard etablieren

  • Automatisierte Reporting-Workflows aufbauen

  • Kontinuierliche Optimierungsprozesse implementieren

Fazit

Green Media ist nicht mehr optional. RFPs in 2026 machen CO₂-Kompetenz zum Auswahlkriterium. Agenturen und Anbieter, die jetzt investieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile. Wer abwartet, riskiert, bei wichtigen Pitches nicht mehr eingeladen zu werden.

Der Markt belohnt Vorreiter. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell Sie handeln.

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