CSRD und Werbung: Ihre Roadmap für 2026

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist keine Zukunftssorge mehr. Sie ist da. Und wenn Sie in der Werbung oder im Marketing arbeiten, betrifft sie Sie direkt.
So sieht die Lage 2026 aus: Unternehmen in ganz Europa reichen ihre ersten CSRD-Berichte ein. Die Vorreiter haben entdeckt, dass der schwierigste Teil nicht die Regulierung selbst ist, sondern die Messung der Scope-3-Emissionen aus digitaler Werbung. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie es richtig machen.
Was die CSRD von der Werbung verlangt
Die CSRD verpflichtet Unternehmen zur Berichterstattung nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Für Werbung relevant sind besonders:
ESRS E1 – Klimawandel:
Offenlegung aller Treibhausgasemissionen (Scope 1, 2 und 3)
Digitale Werbung fällt unter Scope 3, Kategorie 1
Reduktionsziele und Maßnahmen müssen dokumentiert werden
Wer ist betroffen (nach Omnibus-I-Anpassungen, Dezember 2025):
Große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern
Börsennotierte KMUs (mit Übergangsregelungen)
Nicht-EU-Unternehmen mit signifikanter EU-Geschäftstätigkeit
Zeitplan nach aktueller Gesetzgebung
Bereits aktiv (seit 2025):
Unternehmen, die bereits unter NFRD berichteten
Große börsennotierte Unternehmen
Ab Geschäftsjahr 2025 (Bericht 2026):
- Große Unternehmen über den Schwellenwerten
Ab Geschäftsjahr 2027 (Bericht 2028):
- Alle verbleibenden berichtspflichtigen Unternehmen
Warum Werbeemissionen so schwer zu messen sind
Die größte Herausforderung für Marketing-Abteilungen:
1. Fragmentierte Datenquellen
Kampagnendaten verteilt über multiple DSPs, Agenturen, Plattformen
Keine einheitlichen CO₂-Metriken in Standard-Reporting
Historische Daten oft unvollständig
2. Methodische Unsicherheit
Ausgabenbasierte Schätzungen dramatisch ungenau
Unterschiedliche Tools liefern unterschiedliche Ergebnisse
Fehlende Standardisierung bis GMSF v1.2
3. Lieferketten-Komplexität
Dutzende Intermediäre pro Impression
Unterschiedliche Energiequellen je nach Standort/Zeit
Dynamische Supply Paths erschweren Nachverfolgung
Die GMSF-Lösung
Das Global Media Sustainability Framework (GMSF) v1.2 bietet erstmals eine standardisierte Methodik:
Was GMSF v1.2 standardisiert:
Berechnungsformeln für alle digitalen Kanäle
Emissionsfaktoren nach Geografie und Tageszeit
Supply-Chain-Berücksichtigung
Kreativ-Größen-Gewichtung
Warum das für CSRD wichtig ist:
Prüfungsfähige, dokumentierte Methodik
Vergleichbarkeit über Kampagnen und Jahre
Anerkannt von Wirtschaftsprüfern
Praktische Implementierung
Schritt 1: Bestandsaufnahme (Woche 1-2)
Listen Sie alle digitalen Werbekanäle auf
Identifizieren Sie Datenquellen für jede Plattform
Bestimmen Sie Datenverfügbarkeit und -lücken
Schritt 2: Tool-Auswahl (Woche 3-4)
Evaluieren Sie GMSF-konforme Lösungen
Prüfen Sie Integrationsmöglichkeiten mit Ihren DSPs
Klären Sie Reporting-Formate für Ihren CSRD-Bericht
Schritt 3: Baseline-Messung (Monat 2)
Messen Sie ein volles Quartal als Baseline
Dokumentieren Sie Methodik und Annahmen
Validieren Sie Ergebnisse mit Stichproben
Schritt 4: Integration in Workflows (Monat 3+)
CO₂-Tracking als Standard in Kampagnen-Setup
Regelmäßiges Reporting (mindestens quartalsweise)
Reduktionsinitiativen identifizieren und implementieren
Was in den CSRD-Bericht gehört
Minimale Anforderungen für digitale Werbung:
Gesamtemissionen in Tonnen CO₂e
Methodik-Beschreibung (GMSF v1.2 empfohlen)
Abdeckungsgrad (% der gemessenen vs. geschätzten Aktivitäten)
Vergleich zum Vorjahr
Best Practice (empfohlen):
Aufschlüsselung nach Kanal/Format
Reduktionsziele und Fortschritt
Beschreibung der Optimierungsmaßnahmen
Supply-Chain-Engagement-Initiativen
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu spät anfangen
CSRD-Berichte erfordern Vorjahresdaten. Wenn Sie 2026 berichten, brauchen Sie 2025-Daten. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.
Fehler 2: Ausgabenbasierte Schätzungen
Diese überschätzen Emissionen um bis zu 450% und sind nicht prüfungsfest. Investieren Sie in aktivitätsbasierte Messung.
Fehler 3: Silodenken
Marketing, Sustainability und Finance müssen zusammenarbeiten. Datenflüsse und Verantwortlichkeiten frühzeitig klären.
Fazit
Die CSRD macht Werbeemissionen zum Berichtsgegenstand. Das ist eine Herausforderung – aber auch eine Chance. Unternehmen, die jetzt in saubere Messung investieren, positionieren sich für Compliance und entdecken oft Optimierungspotenziale, die sowohl Emissionen als auch Kosten senken.
Der Schlüssel: GMSF v1.2-konforme Messung, frühzeitiger Start und funktionsübergreifende Zusammenarbeit.
Während die CSRD der dominierende Rahmen für europäische Unternehmen bleibt, entwickeln US-Bundesstaaten parallele Verpflichtungen. Lesen Sie unsere Analyse zu US-Klimaregulierung und was sie für Werbung bedeutet →
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